Unterschied beim Kennenlernen von Paaren: Anfang 20. und Anfang 21. Jhd

Sich kennen und sich lieben lernen, oftmals geschehen diese beiden Schritte, wenn, kurz nacheinander. Vieles von dem, was wir heute daran mögen oder auch nicht; Liebesleid, Schmetterlinge im Bauch, die rosarote Brille; gibt es schon so lange wie die Menschheit auch. Dennoch, die Art und Weise, sich kennen zu lernen, und was unter Umständen daraus erwächst, ist stark kulturell beeinflusst. Eine Bestandsaufnahme 1900 und 2000.

So schaut(e) es aus
1901. Er lebt auf dem Land, vielleicht in Franken, vielleicht auch in Friesland oder am Niederrhein. Es wird das Schützenfest gefeiert; oder auch der Maibaum beim nächsten Gutshof aufgestellt. Vielleicht ist auch Fasching, Karneval oder Wintersonnenwende. Es ist eigentlich (fast) egal, aber zum guten Ton gehörte es zu Beginn des 20. Jahrhunderts, am gesellschaftlichen Leben Teil zu nehmen. Und warum nicht auch mal mit Reinhild oder Lotte, der Tochter vom Schmied, tanzen? Gesellschaftliches Leben wurde in früheren Zeiten definitiv größer geschrieben als heute, und es war auch verbindlicher. Die Raver in den Discotheken der frühen 2000er dürften seltener die Liebe ihres Lebens auf dem Dancefloor gefunden haben. Natürlich gab es vor etwa 15 Jahren an besagten Orten auch von jungen Leuten gut besuchte Volksfeste, aber der Tenor hin zur Stadtflucht, zum pulsierenden Leben der Städte, nimmt und nahm weiter zu. Soweit ein Aspekt des Kennenlernens damals und heute.

Sich auf dem zünftigen Dorffest kennenzulernen, und zumindest bis 1914 gut zusammen zu leben, ist eine allzu romantische Vorstellung, die man schnell trüben kann: Wer bis spätestens 30 nicht verheiratet war, drohten öffentliche Bloßstellung und Schande. Der Brauch, dem unglücklichen Junggesellen die Haustür schwarz zu kränzen und den Dorfplatz fegen zu lassen, hielt sich auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Devise: Im Zweifelsfall besser heiraten was bzw. wer da ist, als gar nicht. Oder Karriere im Kloster? Manch einer behauptet, wegen diesem gesellschaftlichen Druck gab es früher mehr Ehen als heute – aber ob diese glücklicher waren?

Die Zeiten sind besser geworden
Heutzutage, auch schon in den frühen 2000, ist die Gesellschaft doch entspannter geworden. Man lernt sich auch in der Ferne kennen, teilweise sogar am Arbeitsplatz (Frauen hüteten um 1900 das Haus!) oder online. Online greifen die Leute zunächst gerne auf Dating-Vergleichsportale zurück. Die liberalere Welt von heute lässt auch gleichgeschlechtliche Liebesbeziehungen zu. Das neue Jahrtausend war sicher noch nicht der technische und freie Zustand, wie wir ihn in 2016 kennen, aber die Kehrtwende hin zu ungezwungenerem Umgang, auch mit dem Kennenlernen (und dem Auseinandergehen) war bereits deutlichst zu erkennen.